Lessons learned Bau-Edition

Während unserer Sanierungs- bzw. Renovierungsphase sind wir erwartungsgemäß auf einige „Problemchen und Unschönheiten“ gestoßen, die uns nachher etwas schlauer werden ließen. Ein paar dieser Erkenntnisse fasse ich mal zusammen.

Farbe selber mischen

In einem der Beiträge hab ich’s schon erwähnt – blöde Idee. Zumindest wenn man vorher nicht ausrechnet, wie viel Liter man für die Wand braucht und wie das Mischungsverhältnis mit dem Konzentrat ist. Was ich auch nicht wusste: Die Farbe, die man sich im Baumarkt anmischen lässt, wird in farblose Grundfarbe gemischt – nicht in weiße. Wir haben einen angebrochenen 5 Liter Eimer weiße Bad- und Küchenfarbe verwendet und 5 bis 7 Flaschen Konzentrat untergemischt und hatten immer noch einen blassen Farbton. Der Eimer steht jetzt rum und muss teuer entsorgt werden.

Umzugskartons beschriften

Wir haben an die 60 Umzugskartons gebraucht gekauft/besorgt. Die waren natürlich bereits, zum Teil mehrfach, beschriftet. Super Tipp: Krepp-Klebeband auf die Kartons kleben und das beschriften. Es geht beschädigungsfrei wieder ab und so lange der Karton selbst heil ist, kann er so immer wieder beschriftet werden. Grundsätzlich beschrifte ich die Kartons immer von oben (Ziel-Raum, grober Inhalt) und von einer Seite, damit es noch zu lesen ist, wenn diese nachher aufeinander gestapelt stehen.

Die Kartons wurden beim Umzug durch die Helfer der Umzugsfirma nicht unbedingt hochkant (Öffnung oben) transportiert. Davon bin ich aber ausgegangen und habe so gepackt, dass leichtere oder empfindlichere Gegenstände oben liegen. Es ist nichts zu Bruch gegangen, aber das ist definitiv etwas, woran zu denken ist.

Fliesenauswahl

Rückblickend betrachtet, sollte die Fliesengröße dem Raum angemessen sein. Ich hatte irgendwo gehört, dass größere Fliesen den Raum auch größer wirken lassen. Unser Bad ist nicht mal 6 m² groß, die gewählten Fließen sind ca. 29 x 59 (Wand) bzw. 34 x 69 (Boden) cm groß. Wir wollten ohnehin keine kleinen Fliesen, was ich aber nicht bedacht hatte war, dass mehr Verschnitt entsteht, wenn die Fliese zu groß wird. Wir haben jetzt kaum eine Wand, an der mehr als 2 ganze Fließen nebeneinander sind. Hier wäre eine Nummer kleiner sicher besser gewesen.

Ein weiterer Nachteil neben dem hohen Verschnitt sind viele unordentliche, „angefressene“ Schnittkanten und viele halbierte Fliesen. Außerdem vermute ich, dass sich mit kleinere Fliesen schiefe Wände besser kaschieren lassen als mit großen.

Meine Mama hat den Vorschlag gemacht, die Bodenfliesen als eine Art Borte auch an die Wand zu bringen, was wir hinter dem WC und in der Dusche auch jeweils mit einem Streifen umgesetzt haben. Das war eine gute Idee, gefällt mir. Es ist aber zu bedenken, dass Bodenfliesen viel härter sind als Wandfliesen und sich somit auch schlechter schneiden lassen (Aussparungen und Bohrlöcher).

Silikon-/Acrylfugen

Fugen mit Silikon oder Acryl selbst zu ziehen, ist nach ein paar Übungsfugen kein Problem. Bester Tipp, der mir viel Ärger erspart hat: wie beim Malern mit Kreppband abkleben. Es ist immer entweder zu viel oder zu wenig Material in der Fuge. Und wenn es zu viel ist, bildet sich wie beim Schneeschieben ein riesen Berg vor diesem kleinen Eckenabziehspachtel (hilfreiche Dinger).

Ohne Klebeband muss man dann das Material über die ganze Länge der Fuge wieder von der Wand abkratzen – mit Klebeband zieht man das einfach ab, besprüht es mit Glättmittel (sehr empfehlenswert) und fährt noch ein-, zweimal mit dem Finger drüber. Für den letzten Schritt haben wir immer Gummihandschuh angezogen. Zum einen, um den Schmadder nicht an den Händen zu haben, aber vor allem weil es mit bloßen Händen schneller schimmeln soll.

Außerdem eignet sich Acryl wunderbar dazu, kleinere Unschönheiten und Risse zu füllen – und schon sind sie weg! Andi benutzt es auch bei den Fußleisten, die sich bei unseren schiefen Wänden keinesfalls lückenlos anbringen lassen. Da wir uns für weiße „Alt-Berliner“ Fußleisten entschieden haben, ist weißes Acryl hier der Retter.

Elektrik

Dadurch, dass wir überall neue Stromleitungen gelegt haben, waren wir in der glücklichen Situation, selbst bestimmen zu können, viele Lampen, Schalter und Steckdosen wir wo haben wollen. Wir haben im Grundriss die Lage und Anzahl eingezeichnet und mehrfach überdacht und geändert. Es sind zwar im Laufe der Zeit immer mehr Steckdosen geworden und ich hatte von vornherein schon im Schlaf- und Wohnzimmer zwei unabhängige Deckenlampen vorgesehen, aber auch hier kann man rückblickend festhalten: Es sind immer zu wenig. Es ist schwer, einen Rat zu geben, wie man sich der Sache nähert, weil es so individuell ist.

Ich hab’s grundsätzlich gern höhlenmäßig schummerig, aber wenn ich Licht einschalte, soll es auch taghell sein – wirklich hell (zum Bügeln, Aufräumen, allgemein „zum Gucken“!)! Zusätzlich haben wir dimmbare Leuchtmittel, die sich über die home automation steuern lassen. Was hier nervig ist, dass die in bestimmten Farbstufen oder Helligkeiten fiepen. Was jetzt fehlt ist z. B. die Möglichkeit, die Lampe über dem Bett auch vom Bett aus schalten zu können, statt nur von der Tür. In der Küche fehlt die zweite Deckenlampe gänzlich. Hier wäre eine weitere über dem Esstisch toll – haben wir aber bei der Planung nicht bedacht. Am unteren Ende der Kellertreppe haben wir aus irgendeinem Grund auch kein Licht eingeplant. Es gibt Stellen, bei denen ich mich frage, warum da keine Steckdose ist, aber es ist immer eine andere in der Nähe, so dass mir noch nicht wirklich eine gefehlt hat. Wir haben auch relativ viele Vierer-Dosen und LAN in fast allen Räumen (außer Küche und Bad) verbaut, so dass hier kein Mangel herrscht.

Direkt mit eingeplant wurde auch die Motorisierung der Außenjalousien, so dass an den entsprechenden Stellen schon Verteilerdosen und Schalter vorgesehen sind. Für den Außenbereich haben wir ebenfalls schon z. T. Strom und LAN nach draußen gelegt. Dies wird aber noch mal ausgebaut, wenn wir irgendwann mal die Leitung zum Hausanschluss erneuern und dann auch eine Beleuchtung für den Garten schaffen. Da ist es zur Zeit noch ziemlich dunkel.

Bei den Arbeiten an der Elektroanlage haben wir Wago Klemmen in verschiedenen Variationen kennen und lieben gelernt – zum Anschließen, Verbinden oder Sichern offener Kabelenden.

Handwerker

Was für ein nerviges Thema!! Bei Zeit, handwerklichem Geschick und Spaß an der Sache würde ich es immer lieber selber machen. Und hier gilt: YouTube ist dein Freund! :-D

Punkt 1: Eine Firma zu finden ist schon schwer genug. Es gibt so unfassbar wenig Rückmeldungen auf Anfragen – sei es über die bekannten Handwerkerportale (bei denen die Handhabung und die user experience eine Katastrophe sind!! I’m looking at you, @blauarbeit und @myHammer) oder per direktem Kontakt. Es ist auch erschreckend, wie viele Handwerksbetriebe keine (oder eine gruselige) Webseite haben!! Hinzu kommt die oft sehr mühselige Kommunikation. Viele haben noch nicht verstanden, dass es sich um eine Dienstleistung handelt und es mit der bloßen Leistungserbringung nach eigenem gusto nicht getan ist. Es wird nicht zugehört, man wird unterbrochen (ich besonders), viele kommen ohne kurz Info viel zu spät oder gar nicht und am schlimmsten: es wird nicht beraten und nicht auf Fragen geantwortet.

Punkt 2: Es ist nicht möglich, alle Arbeiten zu einem Teilprojekt aus einer Hand zu beziehen (wenn man nicht ein ganzes Haus neu bauen lässt). Wir wollten kurzfristig noch gern einen Hinterausgang schaffen und haben auf unsere Inserate genau eine Rückmeldung erhalten. Abgesehen davon, dass uns der Herr nicht sehr vertrauenserweckend erschien, hätte er uns am liebsten auch nur den Durchbruch gemacht. Die Tür hätte er wohl nach mehrmaligem Nachfragen auch eingesetzt, aber da so viel Unsicherheit ausgestrahlt, dass wir Abstand genommen haben. Hätten wir einen Türbauer engagiert, hätte anschließend der Maurer wieder kommen müssen, um den Putz von innen und außen wieder herzustellen.

Bei den Fensterbänken dasselbe. Der Steinmetz würde sie zwar schneiden und liefern und zur Not wohl auch einbauen, aber zusätzlich benötigen wir jemanden, der die Heizkörper ablässt und abbaut, dann jemanden, der die Wände wieder verputzt und streichfertig vorbereitet und zum Schluss noch mal den Heizungsmenschen, der die Heizkörper wieder anschließt. Nä!

Für das Bad hatten wir auch erst eine Fachfirma angefragt. Da war es ähnlich. Wir hätten zusätzlich zu dem Termin mit dem Sanitärmenschen, …

  • einen Termin mit dessen Trockbauer vereinbaren müssen,
  • parallel bei den großen Sanitärausstellungen einen Termin während der Arbeitszeit (wegen beschissener Öffnungszeiten, Privatleute sind nicht die bevorzugte Beute) vereinbaren müssen, um uns überteuerte Ausstattung aufschwatzen zu lassen,
  • um dann irgendwann ein Angebot von der Sanitärfirma zu erhalten, der die Zahlen des Trockenbauers und der Lieferanten mit seinen zusammenführt
  • und uns dann ein high end Luxus-Bad zusammenzimmert

Allein die drei zusätzlich notwendigen Termine bei diesem Szenario haben uns schon abgeschreckt.

Punkt 3: Es empfiehlt sich sehr, die gewünschten Arbeiten genau zu definieren – auch wenn die nicht zuhören wollen (und lieber einfach drauf los arbeiten wollen) und es bedeutet, sehr detailliert voraus zu denken. Auch wenn ich manche Arbeiten schon relativ weit durchdacht habe – es war nicht genau genug (kommuniziert). Es ist an so Kleinigkeiten zu denken wie (bitte selbst abstrahieren):

  • wo genau soll das Thermostat für die Fußbodenheizung platziert werden?
  • soll die Borte mittig zur Wand sitzen und soll die Duschstange wiederum mittig in der Borte sitzen?
  • wenn Fliesen geschnitten werden müssen, auf welcher Seite sollen die halben Fliesen angebracht werden?
  • welche Farbe sollen die Leuchtmittel haben?
  • ggf. sogar, welches sind die aktuell gültigen Vorschriften für Elektro- oder Sanitärinstallationen (welches Sicherheitselemente werden benötigt)?
  • in welcher Höhe/Orientierung, in welchem Abstand sollen Schalter, Steckdosen etc. angebracht werden?
  • tbc

Wenn ich mich entscheide, es machen zu lassen, muss ich auch entscheiden, durch wen (wenn denn überhaupt Auswahl ist). Nehm ich jemanden, der es für die Hälfte des Teuersten anbietet? Beauftrage ich jemanden, den ich kenne und bei dem es (aus persönlichen Gründen) schwierig ist, nachher Reklamationen anzubringen? Nachträglich betrachtet würde ich glaube ich lieber mehr Geld in die Hand nehmen oder es direkt selbst machen. Dann weiß ich wenigstens, warum es aussieht wie es aussieht und kann mich freuen, es selbst gemacht zu haben.

Kosten allgemein

Man kann auch immer davon ausgehen, dass es am Ende teurer wird als angeboten. Bisher war es bei allen Arbeiten außer dem Abwasserschacht so, dass es nachher teurer wurde als angeboten. Ursache war u. a.:

  • nicht bedachte Dinge, z. B. der Steg im Dach (wir hatten angenommen, die Bretter wieder auslegen zu können) oder das Vlies unter der Dämmung, welches wir nachträglich beauftragten
  • nicht vorhersehbare Dinge, wie die Notwendigkeit, die gesamte Abwasserinstallation im Bad entfernen zu müssen (+3 Tage + x Euro)
  • Verzögerung und Mehrkosten durch Fehler bei der (eigenen) Ausführung (Lehrgeld)
  • etc.

Fazit bzw. Schlussbemerkung

Last but not least das Thema „Abweichungen vom Plan“: Wenn du das Gefühl hast, gut beraten zu werden (mit Nennung von Vor- und Nachteilen) und dich dann umentscheidest, ist das prima. Wenn dein Bauchgefühl dir sagt, dass die Erklärung zu dünn war oder es sich nicht ganz richtig anfühlte, hör drauf. Lass dich nicht überreden, wenn es sich nicht hundertprozentig richtig anfühlt.

Definier das Endergebnis, was du im Sinn (oder besser auf Papier) hast. Hier geht es nicht um das „Wie“, sondern nur um das Gesamtergebnis. Es soll ja schon fachleutisch erbracht werden, aber eben so wie du es dir vorstellst. Das ist auch eine meiner Erkenntnisse. Hoffe, dass ich mich nächstes Mal daran erinnere und auch selbst auf mein Bauchgefühl höre!

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