Irland Tag 1 und 2

Wir waren zwei Wochen in Irland (vom 22.05 bis 05.06.). Andi hatte ja bereits Bilder veröffentlicht und ich war mir diesmal gar nicht sicher, ob ich überhaupt bloggen werde. Die Beiträge werden ja doch immer sehr lang, damit ich mich später noch mal an alles erinnern kann. Aber ich habe immer die Befürchtung, dass es für Blogbesucher zu lang und uninteressant wird. Daher hatte ich schon fast entschieden, wenn überhaupt, nur eine Kurzfassung zu veröffentlichen. Ein Kommentar von Sascha zu den Island-Beiträgen, hat aber meine Meinung geändert und meiner Motivation auf die Sprünge geholfen. Deshalb kommt jetzt der erste Teil – wieder mit einer allgemeinen Einführung:

Reiseorganisation: Flug und Mietwagen haben wir ca. ein halbes Jahr vorher separat gebucht. Die Unterkünfte waren diesmal nicht vorab festgelegt, insofern war der komplette Reiseverlauf offen. Wir haben auch erst in Dublin begonnen, die nächsten Ziele festzulegen und während der Reise nur grob geplant, wann wir wo sein müssten, um alles zu schaffen. Nordirland hatten wir anfangs nicht mit eingeplant. Da wir aber den Giant’s Causeway und Belfast angucken wollten, haben wir es mit in die Zeitplanung aufgenommen. Eine gute Entscheidung!

Unser Reiseführer war (wie so oft) der Vis-à-Vis von Dorling Kindersley, diesmal für Irland! Die Straßenkarte, die wir zum Mietwagen bekamen, reichte uns aus. Detailliertere Karten für die Orte, die wir besuchten, hatten wir zwar so nicht, aber es ging auch ohne. In der Karte waren keine Tankstellen verzeichnet, aber Scenic Routes, die besonders schöne Strecken markierten.

Essen: Ein irisches Frühstück besteht neben dem Toast nur aus gebratenen Sachen: Würstchen, Eier, Schinken oder Speck, Kartoffelrösti und Tomaten. Black und white pudding (nicht) zu vergessen. Das hing mir nach spätestens einer Woche zum Hals raus und ich bin wieder zu dem, was als continental breakfast bekannt ist, übergegangen: Toast mit Marmelade, Frühstücksflocken, Obstsalat. Käse und Aufschnitt zum Frühstück ist nahezu unbekannt, das gab’s nur in den richtigen Hotels (in Dublin). Bei den Frühstücksflocken fand ich die Shreddies klasse und Obstsalat zum Frühstück ist sowieso der Hammer. Schade, dass ich zu faul bin, mir morgens welchen zu machen.

Essen ist eine teure Sache in Irland. Selbst Fast Food kann in höheren Preisklassen liegen; „richtiges“ Essen geht erst bei 15-20 Euro los. Man muss allerdings fairer Weise sagen, dass ich als Berlin-Bewohner sehr verwöhnt bin, denn hier ist es selbst im Vergleich zu Restdeutschland sehr billig. In Irland konnten wir aber auch einige Male sehr lecker leichte Küche zu annehmbaren Preisen genießen. Oft gibt es auch s. g. Early Bird-Menüs (ca. in der Zeit von 17 bis 19 Uhr) oder spezielle Angebots-Menüs mit zwei oder drei Gängen zu Preisen von 10 bis 25 Euro. Das würde der Hauptgang fast schon alleine kosten.

Überhaupt etwas zu Essen zu finden, ist schon schwieriger. Viele Restaurants machen erst sehr spät auf und haben tagsüber geschlossen. Mittag scheint in Irland keine vollständige Mahlzeit zu erfordern.

Übernachten: Wir haben keinen Bed & Breakfast-Führer gekauft. Vorab hatten wir es versäumt und in Irland scheint es so etwas nicht zu geben. War aber auch gar nicht nötig. Zudem sollen die enthaltenen Unterkünfte nicht unbedingt die besten sein. Die B & Bs waren mit 65-80 Euro einiges teuerer als ich erwartet hatte, aber das war wohl eher meine Fehleinschätzung. Die Qualität war durchgehend gut und die Herzlichkeit vieler Gastwirte machte es mir etwas einfacher. Wie schon nach dem Island-Urlaub berichtet, ist mir das Übernachten bei fremden Leuten irgendwie unangenehm.

Wenn die Häuser äußerlich einen netten Eindruck machten, war es Innen meist auch sehr schön. Außerdem hilft das Kleeblatt des Ireland Bed and Breakfast Network auf den Schildern und Wegweisern, eine gute Unterkunft zu finden. En-Suite Bedrooms haben ein eigenes Bad, meist mit Dusche. Für mein Empfinden gab es da ja nie genug Handtuchhaken :-). Fernsehen im Zimmer gab es manchmal, WLAN leider nur sehr selten. Dafür hatten einige einen Gemeinschaftsraum, in dem meist ein Fernseher stand und hin und wieder auch ein nutzbarer Computer.

Die Räume hatten meist mehr als nur ein Doppelbett, aber leider nie zwei einzelne Bettdecken, was mir etwas Schlafproblemchen bereitete. Nächstes Mal nehme ich eben doch den Schlafsack mit, wie ich es mir schon nach Neuseeland vorgenommen hatte. Außerdem habe ich meinen Schlafsack noch nie ausprobiert.

Auch wenn es für einen Blogbeitrag vielleicht etwas unschicklich :-) ist: die irischen Klospülungen bedürfen einiger Übung und Geduld. Bis die so richtig spülen, muss man den Hebel schon mal 3-4 Mal mit viel Liebe betätigen. Und der Wasserdruck ist nicht sehr hoch. Das macht sich auch beim Duschen bemerkbar. Die Handhabung der Durchlauferhitzer ist übrigens genau so spannend. Wenn irgendwo im Bad ein Bindfaden von der Decke hängt, kann es sein, dass dieser den Boiler anwirft – oder das Licht ;-).

In Nordirland gibt es weniger B & Bs. Der Norden scheint touristisch noch „ausbaufähig“ zu sein, so dass man ein bisschen länger nach einer Unterkunft suchen muss. Dafür waren sie dann preisgünstiger als im Süden.

Die angegebenen Preise in allen Beiträgen sind übrigens immer für uns beide (so keine abweichenden Angaben stehen) und bei allen Unterkünften inkl. Frühstück.

Verkehr: Linksverkehr, viel Kreisverkehr, ansonsten alles ganz normal. Bis auf die Geschwindigkeitsangaben. Straßen- und Sichtverhältnisse haben rein gar nichts mit der Geschwindigkeit zu tun, die man (ich) dort fahren könnte/sollte. Wenn in Deutschland an einer Straße ein 80 km/h-Schild steht, kann man dort in aller Regel (auch in den Kurven) 80 km/h fahren. Das ist in Irland nicht der Fall! Die Straßen sind eng, haben oft keine zwei Spuren und die Kurven sind nicht einsehbar, so dass der Gegenverkehr nicht zu sehen ist bis er vor einem steht – und das kann auch schon mal ein Bus oder Trecker mit Überbreite sein. Oder eben auch Tiere: Schafe, Hunde oder Enten, die sich auf dem warmen Asphalt sonnen. Die Iren scheinen das durch Reaktionsschnelle oder hellseherische Fähigkeiten auszugleichen, die fahren nämlich sehr schnell.

Der umgekehrte Fall gilt auch. Auf den breitesten, gut ausgebauten Straßen darf man manchmal nur 50 km/h fahren, was sich mir dann auch nicht erschlossen hat. Die Iren (ich unterstelle mal, es waren Einheimische) gehen übrigens mit ihren Hunden und Kindern an/auf den Hauptverkehrsstraßen spazieren, fast so als gäbe es keine ruhigen Feldwege mit fantastischer Aussicht und grünen Wiesen =).

Die Beischilderung ist aber wirklich gut: mit lustigen Schildern wird auf Klippen und Kaimauern aufmerksam gemacht und sogar auf alte Leute wird hingewiesen. Das ist prima und sorgte sehr für Erheiterung. Zumindest in der Republik Irland muss man aber ohne Straßennamen in den Ortschaften klar kommen, die sind eher die Ausnahme.

Die meisten Straßen sind in einem guten Zustand. Alle, auf die man sich verirren könnte, sind asphaltiert. Schotterstraßen (wie in Island) oder richtig schlechter Straßenbelag sind selten. Nun ist Irland aber auch etwas kleiner als Island und hat dafür mehr Einwohner1. Auf manchen Autobahnen gibt es Mautstationen. Die Gebühren lagen immer so bei 1 – 1,30 Euro.

Land und Leute: Ich habe die Iren als sehr herzlich und offen wahrgenommen. Sie sind lustig und scheinen sehr lebensfroh und sie wissen definitiv wie man feiert! Musik, Tanz und natürlich Alkohol gehören zum Leben dazu und werden gebührend zelebriert.

Die irische Sprache (Gälisch) ist nicht zu verstehen, Wortbedeutungen sind quasi nicht herzuleiten. Die Beschilderung an den Straßen ist aber überwiegend in Gälisch und Englisch, so dass man sich zurechtfindet.

Einige Countys oder einzelne Ortschaften scheinen sehr auf Fair Trade zu achten. An vielen Ortseingängen stehen Schilder, die darauf hinweisen. Ebenfalls trafen wir oft auf Schilder mit „tidiest town“ – sauberste Stadt des Jahres oder des Countys. Sauber fand ich es wirklich, vor allem in der Rupublik Irland.

Samstag, 22.05.2010 (Tag 1)
Unser Flug ging um 14:30 Uhr von Schönefeld. Ein ganz furchtbarer Flughafen. Allein der Weg vom S-Bahnhof zum Flughafen ist schon eine Bestrafung. Zudem ist es langweilig, es gibt kein freies WLAN, wenig Läden und sonst auch nix zu Gucken. Außerdem erwarte ich auf einem Großflughafen berührungslose Toiletten – ich will nach dem Händewaschen keine Türen mehr anfassen müssen.

Der Flug war unspektakulär. Es gab nichts zu essen und nach 2 Stunden 20 Minuten sind wir mit ein bisschen Verspätung in Dublin gelandet. Für die Übernahme des Mietwagens mussten wir erst mit einem Shuttle-Bus zur Autovermietung fahren. Da lief alles problemlos. Wir bekamen einen kleinen silbernen Chevrolet Kalos. Anfangskilometerstand 74091 km. Endkilometerstand am 05.06.2010: 76779 km. Macht 2688 gefahrene Kilometer. Für eine zusätzlich Versicherung ohne Selbstbeteiligung bezahlten wir noch einmal 112 Euro.

Mit dem Auto ging’s ins Hotel (Best Western Ashling Hotel; 2 Nächte; 141 Euro ohne Frühstück). Vom Hotel ging es zu Fuß und mit der Tram in die City für einen ersten Rundgang. Nach einer kleinen Stärkung tranken wir unser erstes Bier in einem Pub. Ich ein Guinness und Andi ein Heineken (echt irisch ;-)). Die Häuserfronten allgemein und vielleicht die Pubs im Besonderen sind schön gestaltet und so wie ich es mir in Irland vorgestellt habe.

Sonntag, 23.05.2010 (Tag 2)
Nach einem full irish breakfast mit Schinken und Ei, seltsamen Würstchen, Röstis und black and white Pudding (die ich nicht gegessen habe), ging es wieder nach Dublin rein. Der black pudding ist so etwas wie Blutwurst, der white pudding besteht wohl aus Schweinefleisch, Fett, Brot und Haferflocken und riecht wie Pfannenschlag, was ich mal ganz gerne essen. Zum Frühstück wollte ich das aber nicht probieren.

In Dublin haben wir erst einen Spaziergang unternommen und das Trinity College angeguckt. Laut Reiseführer sind „die Rasenflächen und gepflasterten Quadrate des Kollegs [...] eine Oase der Ruhe“ – vor allem für den Rasen, denn darauf liegen ist verboten. Die Iren scheinen überhaupt einen Rasen-Fetisch zu haben, denn egal wo wir hin kamen, jede Wiese (manchmal sogar die, auf denen Vieh weidete) war millimetergenau gemäht und die Kanten sorgfältig in Form gebracht. Irre :-D.

Der Long Room des Trinity College, ein fantastischer, zweistöckiger Bibliothekssaal mit alten Büchern, hat mich echt umgehauen. Der Eintrittspreis von 9 Euro pro Person ist allerdings heftig und ich weiß nicht, ob der Anblick den Preis wert ist, aber beeindruckend war es alle Male. Ich fand’s noch cooler als Kloster Strahov in Prag. Außerdem zu sehen: das Book of Kells, eine reich verzierte mittelalterliche Handschrift, die die vier Evangelien enthält. Wir haben eine Stadtrundfahrt (31 Euro) gemacht und unter anderem noch die Christ Church Cathedral, das von außen wenig beeindruckende Dublin Castle und den Knast (Kilmainham Gaol) besucht. Die Führung durch das Gefängnis hat 12 Euro gekostet und war ganz interessant. Die Bustour ging auch an der Guinness Brauerei vorbei, die wir nicht besichtigt haben. Das soll sich aber lohnen. Die Half Penny Bridge und das Monument of Light, einen 120 m hohen Stahldorn, auf der O’Connell Street haben wir pflichtgemäß bestaunt und fotografiert.

  1. aber nur unwesentlich mehr als Berlin []

Mir ist ganz  emoticon zumute.

Ein Kommentar to “Irland Tag 1 und 2”

  1. Kaddi und das Leben in der Draussenwelt » Blog Archive » Spanien Tag 1: Einleitung, Barcelona schreibt:

    [...] und Kaffee! Gnarf. Bett bezogen und schlafen gegangen. Es gab mal wieder nur ein Bettdeck. Gnarf. Wieder keinen Schlafsack dabei. Ich schlief in dieser ersten Nacht nicht wirklich gut, hab dafür aber ein [...]

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